BLACK LOVE II: Diving into relationship dynamics
SistaTalk lädt Brothas ein und präsentiert das Format: CommunityTalk!
Nach zwei Jahren hat die lang ersehnte Fortsetzung von “Black Love I” stattgefunden.
Es war unser erster CommunityTalk, bei dem die Türen auch für Brothas* geöffnet waren.
Hintergrund dafür ist, dass bei unserem ersten “Black Love” Event im Winter 2021 viele Fragen aufgekommen sind, die wir im geschlossenen Sistakreis so nicht beantworten konnten. Denn die Fragen waren klar adressiert an Schwarze Männer.
Die Seedrunde “Black Love II” 2023 fand im Afrotopia statt und damit die Konversation weitestgehend neutral geleitet wird, hatten wir zusätzlich zu unserem female Host Cyndi Hounouvi Support von unserem male Host Sidney Oliveira.
Zunächst einmal haben wir uns angeschaut was Black Love für einzelne Personen für uns bedeutet.
Und haben dann Black Love auf drei Ebenen betrachtet: Community Liebe. Platonische Liebe. Romantische Liebe.
Hier findest du einen Einblick in den Verlauf und die Diskussion unseres Abends.
Womit verbindest du persönlich “Black Love”?
Selbstliebe
Jede Art von Liebe zwischen Personen der Black Community
Community
Unausgesprochenes Verständnis
…
Urban Dictionary: A spiritual journey that only people who are rich in melanin can experience.
A love thats is unconditional. A love that can build an empire.
1.Black Community Love
Geschätzt 30.000 Afrikanische Menschen sollen in Hamburg leben. Hamburg gilt als Vorreiter, wenn es um das Selbst-Organisieren Schwarzer Personen geht. Wir haben mehrere anerkannte Black-Owned Vereine für Sport, Bildung, Frauen und mehr; eine eigene Afrozentrierte Bibliothek (Arca e.V.), Black Owned Events wie den ersten “Afrodeutsche Start Up Pitch (AiDiA)”, Black Owned Businesses wie das größte europäische Concept Store Space “LaTribune Noire” im Jupiter.
Als aber im Raum die Frage aufkam, ob es eine Black Community in Hamburg gäbe, waren die Meinungen geteilt..
Nicht alle waren bereit zum “Black Love” Event zu kommen, da ihre Erfahrungen in der Community bisher eher negativ waren.
“[..] I actually didn’t want to come. I was sceptic. Usually when Black people come together it’s always been competition in my experience [..].”, ein Bruder.
Worüber wir uns aber einig werden konnten ist, dass es um einiges mehr braucht um in Hamburg eine Community zu schaffen.
“ [..] Es gibt so viele Schwarze Menschen in Hamburg.. Es ist wichtig, dass wir als Community niemanden zurücklassen, dass Events nicht nur für eine bestimmte Gruppe ist z.B. Leute mit einem gewissen Bildungsgrad, sondern das wir alle mitziehen.. Auch die, die ihren Weg noch nicht kennen oder bei denen es gerade nicht so gut aussieht [..]”, ein Bruder.
Storytime über Hilfsbereitschaft innerhalb der Community
“[..] Vor paar Tagen war ich abends am ZOB Hauptbahnhof und habe eine (Schwarze) Frau mit ihrem Kind gesehen. Das Kind war leicht bekleidet und hatte keine Jacke an, obwohl es kalt war. Ich habe sie beobachtet und gemerkt, dass sie Hilfe brauchen. Sie konnten nicht so gut deutsch und wussten nicht wie sie zu ihrer Station kommen. Ich hab das dann gegoogelt und ihr gesagt wie sie da hinkommen. Leider konnte ich sie nicht begleiten, weil es spät war und ich am nächsten morgen arbeiten musste. Aber ich habe der Frau meine Nummer gegeben und dann hat sie sich gemeldet und gesagt, dass sie angekommen ist und sich bedankt [..]”, ein Bruder.
2. Black Platonic Love
“[..] Als wir klein waren, hatte ich so viele Schwarze männliche Freunde. Und dann als ich älter geworden bin, hat sich eine ganz schlimme Distanz entwickelt. Selbst bei diesem Event war ich so, okay wen kann ich überhaupt einladen? [..]”, eine Sista.
Diese “Distanz” konnte anhand unseres Gesprächs unter anderem auf generelle Glaubenssätze, kulturelle Unterschiede und internalisierter Rassismus zurückgeführt werden. Colorism spielte in der Diskussion eine prägende Rolle. Beide Seiten, Sistas und Brothas, beschreiben Colorism als erlebten Trauma und als einen Grund für die unausgesprochene Distanz und Wut, die sie zu dem gegenüber aufgebaut haben.
“[..] Es gab definitiv eine Phase in der die Brothas Sistas disrespected und mit Bezeichnungen beleidigt haben. Ich hab mich nicht so gefühlt. Aber ich habe auch nichts dagegen gemacht. Ich war silent. Aber das heißt ich hab es co-signed. Ich war jung 13/14 Jahre alt… Ich glaube dieser disrespect, der eine Zeit lang stark von Brüdern kam, kommt daher das viele Brothas sich im System und zu Hause nicht gewertschätzt gefühlt haben und versucht haben diesen Frust woanders abzulassen [..]”, ein Bruder.
“[..] Ich habe fast keine weiblichen Freunde, weil ich nicht glaube, dass Frauen und Männer nur Freunde sein können[..].”, so ein Bruder.
“[..] I don’t have many friends here.. On the motherland meeting and making friendships is easier. It’s different. So my question is how do we do that? [..]”, ein Bruder.
Storytime über den Sibling-Instinkt/Beschützen innerhalb der Community
“[..] Als ich auf der Party bin ich aus dem Bad gekommen und das war so ein (white) dude, der sehr komisch drauf war und bei dem ich kein gutes Gefühl hatte. Aus dem Augenwinkel habe ich aber gesehen wie ein Bruder in der Ecke war und die Situation beobachtet hat und ich nicht alleine bin. Da hab ich mich gleich viel sicherer gefühlt[..].”, eine Sista.
3. Black Romantic Love
Zur romantischen Liebe gab es meisten am meisten Austauschbedarf.. Zunächst verhalten, aber im Verlauf der Diskussion offener, haben beide Seiten unter anderem Input zum verzerrtem Selbstbild (insbesondere das von Schwarzen Männern), Stereotypisierung von Schwarzen Frauen, ungeheilten Traumas und der Wichtigkeit von Selbstreflektion, gesprochen.
Die Distanz, die auf platonischer Ebene zwischen Schwarzen Frauen und Männern erkannt wurde, wurde auch auf der romantischen Ebene deutlich sichtbar.
“[..] I’m not from Hamburg and I’m biracial but having landed here I was in shock. Why are all the black men dating white women? Why are there barely Black couples? [..].”, eine Sista.
“[..] Ich hab erst vor kurzem richtig reflektiert und gemerkt was für eine Rolle Erziehung spielt. Mein Vater hat mir immer gesagt, dass ich mich beim Daten nicht begrenzen soll, dass es kein Limit gibt und ich denke, dass hat einen Einfluss darauf gehabt, dass ich mich nicht auf Schwarze Frauen begrenzt habe und deswegen auch noch keine gedatet habe.. Auch habe ich gemerkt: Mein Vater hat mir nicht beigebracht, wie man Frauen anspricht. Die längste Zeit wusste ich es nicht.. [..].”, ein Bruder.
“[..] Ich hatte eine zeit lang Hass.. Weil die Männer eine Identitätskrise hatten”, eine Sista.
“[..] I’m from Ghana and there you’re surrounded by plenty of Black woman so for me it’s normal that I’m interested in Black woman that’s what I see all the time. So for you guys, your media is white, the schools or your workplace you go to the majority is white. Some of your white friends talk to you about their relationship. That affects also the way you date[..].”, ein Bruder.
“[..] Wir sprechen jetzt sehr viel über Social media. Das sollte ein Indiz sein, dass wir mehr selbst Meinungen bilden und uns nicht von den Trends abhängig machen sollten[..].”, eine Sista.
“[..] Einige haben jetzt gesagt, dass sie nach einer schlechten Erfahrung beim Daten einer Schwarzen Person, sich ein gewisses Bild von Schwarzen Personen generell gemacht hat. Warum macht ihr ein Stereotyp aus der gesamten Community wegen einer unschönen Erfahrung? Bei anderen (non-Black) Communities waren bestimmt auch nicht alle Personen, die ihr gedatet habt, perfekt [..].”, ein Bruder.
“[..] Hört auf mit den Schmerzen der Vergangenheit in die Zukunft zu gehen[..].”, eine Sista.
Aufgaben/Todo-Liste:
Es braucht definitiv einen Brothatalk, einen Raum für den freien und gesunden Austausch unter Jungs.
Es braucht mehr CommunityTalks, wo alle Black Gruppen aufeinandertreffen und sich austauschen.
“[..] We need to teach people. We need to talking to other people. It’s a process. It doesn’t change over night.
We also need to include the younger generation in topics like this[..].”, ein Bruder.
Es braucht mehr Werbung/Promotion der Community Angebote, die bereits bestehen.
Sich informieren über Folgen des Kolononialismus/Sklaverei in der heutigen Communitystruktur
Bücher
Dokumentation
Podcasts
Social Media
Sich selbst reflektieren (Stichwort: Internalisierter Rassismus / Psychologische Muster /Traumata)
Beispiel Journalingfragen:
Was haben meine Eltern mir über die Schwarze Community beigebracht (eher positives/eher negatives)?
Habe ich eine Schwarze Community? Habe ich Schwarze Freunde (Sistas & Brothas)?
Wie behandle ich Personen aus der Schwarze Community? Besser, genauso, schlechter als andere Communities?
Habe ich schonmal Schwarze Person gedatet, warum nicht? Würde ich es machen, warum nicht?
Welche Schwarzen Personen finde ich attraktiv (Stichwort: Colorism)?
…
“[..] Kaputt auf kaputt, das geht nicht. Reflektier dich selber. Guck was du hast und dann arbeite an dir [..].”, ein Bruder.